Leichte SpracheSuche

Kunst auf Reisen: Am 31. Januar ist Vernissage im Cordonhaus

Weil die Kebbelvilla barrierefrei umgestaltet wird, geht die Kunstsammlung des Bezirks Oberpfalz auf Reisen - Nächste Station ist die Städtische Galerie Cordonhaus in Cham.

Katharina Gierlach, SSV Jahn Regensburg (Sammlung Bezirk Oberpfalz) 

Cham/Schwandorf, 20. Januar 2026 - Seit mehr als 60 Jahren sammelt der Bezirk Oberpfalz regionale Kunst. Mehr als 200 Werke präsentieren heute einen Querschnitt zeitgenössischer Positionen. Weil der Sammlungsort Kebbel-Villa jetzt barrierefrei umgestaltet wird, geht die Kunst auf Reisen. Nächste Station ist die Städtische Galerie Cordonhaus – vom 1. Februar bis zum 1. März.

„Mir ist es besonders wichtig, dass die Werke nicht statisch an einem Ort verweilen, sondern in der ganzen Oberpfalz zu sehen sind. Nur so können wir alle Menschen daran teilhaben lassen“, sagt Bezirkstagspräsident Franz Löffler. In dieser Ausstellung ziehen vor allem Frauen mit inhaltlich und handwerklich überraschenden Arbeiten ihren Blick auf Glaskunst, Installation und Malerei. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Neuankäufe mit Werken von Albert Braun, Katharina Gierlach, Louise Lang, Barbara Muhr, Alois Öllinger und Jasmin Schmidt.

Auf den Spuren von Lola Montez

Jedes Werk in der Ausstellung verführt auf seine Art, wie die drei Fotografien von Albert Braun (*1958 Vilseck) von 2018. Sie sind Teil einer konzeptionellen Arbeit und verweisen auf die Liebesbeziehung zwischen Lola Montez und Elias Peissner. Elias hatte – so die Überlieferung – Mitte des 19. Jahrhunderts als Jurastudent in München eine Affaire mit der Mätresse von König Ludwig I. Künstler Albert Braun spürte der Geschichte nach und fotografierte bei der Aufführung von Bernhard Setzweins Theaterstück „Lola und Elias“ 2018 in Vilseck. In seiner großformatigen Schwarz-Weiß-Serie gelingen Albert Braun anrührende Momente dieser Liebesgeschichte.

 Starke Kontraste – ausdrucksvoller Strich

Realistisch, abstrakt, kraftvoll und kreatürlich setzt Barbara Muhr (*1988) ihre lebensgroßen Figuren auf die Leinwand. Muhrs Figuren weisen ebenso in die Welt des Allegorischen wie des zutiefst Menschlichen – schonungslos und expressiv. Die Regensburger Künstlerin ist Kunsterzieherin und Kunsthistorikerin. Virtuos ihr Spiel mit Figuren aus Geschichte und Gegenwart, ausdrucksvoll ihr Strich. Ihr Werk „Stillbirth“ zeigt den verdrehten Halbakt einer zurückblickenden Frau, auf deren Haut und darüber hinaus ein übergroßes Vogelgerippe projiziert wird – Pastell, Ölkreide und Acryl auf Leinwand. Der intensive Blick der Dargestellten zieht die Betrachtenden ins Vertrauen über ein Geheimnis.

„SSV Jahn Regensburg“ titelt Katharina Gierlach (* 1983) ihre großformatige – live angefertigte – Perspektive auf das Jahnstadion in Regensburg von 2017. Der in starken Kontrasten ebenso pastose wie plastische Farbauftrag in Öl wurde zum Markenzeichen der in Winklarn geborenen und in Köln lebenden Künstlerin, die an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studierte. Dabei ist das Jahnstadion in Regensburg nicht das einzige Stadionportrait der fußballbegeisterten Künstlerin.

Zwischen Form und Fläche

„Im Gesamtwerk des Malers, Bildhauers und Aktionskünstlers Alois Öllinger hängt alles mit allem zusammen“, schreibt Anjalie Chaubal in einem früheren Katalogtext. Der Bezirk hat im letzten Jahr eine Ölmalerei des in Bad Kötzting lebenden Künstlers angekauft, die eine Schale in einem Innenraum darstellt. Ihre Bildarchitektur zielt auf Ruhe und Stabilität. Als plastisches Werk aus Polyester, Marmorstaub und Gold sowie Sinnbild für Harmonie und Ausgewogenheit taucht die Schale wiederholt in der Bilderwelt Öllingers auf. 

Jasmin Schmidt (*1981) wandert zwischen den Welten. Sie lebt in Flossenbürg, studierte Afrikanistik in Bayreuth und freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Wie viele ihrer Arbeiten gibt auch ihr „Buntes Band“, eine Papierarbeit mit Kasein von 2022, Rätsel auf. Barockes Dekor bekommt im Spiel der Künstlerin eine neue Bedeutung. Die Papierarbeit ist Teil von Schmidts Installation „Display OFF“. Neben „Buntes Band“ werden hier noch weitere Werke in einem Regalsystem aus den 1960er Jahren präsentiert. 

Umdeutung und Neubewertung ist auch das Bestreben der Glaskünstlerin Louise Lang (*1993). „Bruchwelle“ nennt sie ihre Anordnung aus gebrochenem ofengeblasenem Glas. Die Transparenz des Materials beruhigt. Selbst seine Zerstörung an den Oberkanten der Hohlkörper tut dem keinen Abbruch. Ohne Fehler und Brüche kein Glas, weiß die Glasmacherin aus Gleißenberg. Sie hat sowohl eine handwerkliche Ausbildung an der Glasfachschule Zwiesel als auch eine akademische an der Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig abgeschlossen. In der Städtischen Galerie Cordonhaus Cham war sie bereits 2015 mit einer umfangreichen Werkschau zu sehen.

Begleitprogramm:

Sonntag, 8. Februar 2026, 15 Uhr
Künstlergespräch
Die Neuankäufe der Sammlung des Bezirks Oberpfalz hautnah: Die Kunstschaffenden präsentieren ihre Werke und geben persönliche Einblicke.

Donnerstag, 26. Februar 2026, 19 Uhr
Poetry Slam
„Die Kunst der Wörter“ – starke Texte, große Gefühle und leise Töne
Moderiert von Lena Krebs, Kulturpreisträgerin des Bezirks Oberpfalz 2025

Eintritt 10 €, Karten an der Abendkasse und über okticket.de/

Alois Öllinger, ohne Titel/Sammlung Bezirk Oberpfalz