Die Wolfgangspilgerwege

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Der Patron des Bistums Regensburg, welches große Teile der ländlich geprägten Regierungsbezirke Oberpfalz und Niederbayern, sowie kleinere Teile von Oberfranken und Oberbayern umfasst, ist der hl. Wolfgang, der von 972 bis 994 in Regensburg und der Oberpfalz als Bischof gewirkt hat. Seinem fortschrittlichen Wirken ist es u.a. zu verdanken, dass eine Domschule (und damit auch die Domspatzen) ins Leben gerufen wurden und die Ämter des Klostervorstehers (Abt) und des Bischofs getrennt wurden. Nachdem er Bischof von Regensburg geworden war, verkleinerte er seinen Herrschafts- und Machtbereich und entließ Böhmen aus dem Bistum Regensburg. So konnte das Bistum Prag gegründet werden. Wolfgang fungierte dabei als wichtiger Brückenbauer zwischen den Völkern Mittel- und Osteuropas.
Selbstbestimmung eines sprachlich und kulturell eigenständigen Volkes besaßen für den hl. Wolfgang höhere Wertigkeit als Besitzstandsdenken. Er war zudem integer, offen für Reformen, schätzte Bildung als hohes Gut und hatte gegenüber den Armen immer eine hilfreiche, offene Hand. Darum wurde er im ausgehenden Mittelalter zu einem der verehrtesten Heiligen in Mitteleuropa. So entstanden im Lauf der Jahrhunderte zu Ehren des hl. Wolfgang im Bistum Regensburg sowie in Tschechien, Österreich und Ungarn zahlreiche Wolfgangskirchen und -kapellen. Diese liegen oft an den alten Pilgerwegen, aber wurden auch ab einem gewissen Zeitpunkt eigendynamisch in abseits gelegenen Orten gegründet, wo wiederum neue lokale Wallfahrten entstanden.
Der historische Hauptpilgerweg von seiner Grabstätte in St. Emmeram in Regensburg zu seiner Wirkungsstätte am Wolfgangsee in Oberösterreich entwickelte sich im Mittelalter zu einer der großen Wallfahrten des Abendlands. Sternförmig führen weitere Wolfgangswege von Böhmen, Ungarn, Österreich, der Schweiz und Italien nach St. Wolfgang, wo der Namenspatron einst eine Kirche errichten ließ.
In den letzten Jahren sind in der südlichen Oberpfalz zwei neue Wolfgangspilgerwege entstanden, die Gedenkstätten des hl. Wolfgang durch markierte Pilgerwege miteinander verbinden und zur Grabstätte des hl. Wolfgang und somit zum historischen Hauptweg in Regensburg führen. Von dort kann schließlich bis St. Wolfgang zum Wolfgangsee gepilgert werden. Ziel ist es, durch neue Wege die Wolfgangsverehrung und Wallfahrt zu seinen Gedenkorten wiederzubeleben sowie sein kulturelles Vermächtnis und Gedankengut zu bewahren.
Der Verein „Pilgerweg St. Wolfgang e.V.“, bestehend aus Ehrenamtlichen im Lkr. Regen und Lkr. Cham, hat in enger Kooperation mit dem Bayerischen Waldverein im Laufe der Jahre Etappe für Etappe einen neuen Wolfgangsweg von Böbrach nach Regensburg geschaffen. Wichtige Stationen sind die Pfarrkirche St. Wolfgang in Haibühl, die bedeutende Marienwallfahrtskirche Neukirchen beim heiligen Blut, die Wallfahrtskirche Weißenregen in Bad Kötzting und die Urkirche in Chammünster. Zudem befinden sich die Klöster Walderbach und Reichenbach auf diesem Pilgerweg. Letzte Station ist die Basilika St. Emmeram in Regensburg, in der sich das Grab des hl. Wolfgang befindet. In der Wolfgangskrypta kann man die Reliquien des hl. Wolfgang im Wolfgangsschrein von 1877 besuchen.
Darüber hinaus hat eine gemeinsame Initiative von Pfarrgemeinde Pfullingen, Stadt Pfullingen und dem Bay. Waldverein Regensburg einen neuen Wolfgangspilgerweg von Pfullingen in Baden-Württemberg, der Geburtsstadt des hl. Wolfgang, zu seiner Grablege in Regensburg entwickelt und umgesetzt. Der Weg mit einer Länge von 320 km und 16 Tagesetappen wurde 2024 eröffnet, wobei sich der Verlauf an Orten mit Wolfgangskirchen orientiert. Er umfasst darüber hinaus auch eine eigens entworfene Radstrecke. An jedem Etappenort wurden Impulstafeln mit Informationen zum Leben des hl. Wolfgang installiert. Bei Vohburg führt der Weg auf das Gebiet des Bistums Regensburg. Über die Pfarrkirche St. Wolfgang in Eilsbrunn und die Wolfgangskirche im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl erreichen die Pilger schließlich das Grab des hl. Wolfgang in St. Emmeram. Dort schließt der Weg an die bereits vorhandene Pilgerroute von Regensburg nach St. Wolfgang im Salzkammergut an, so dass der gesamte Pilgerweg eine Länge von rund 600km hat.
Zeitrahmen: 2003 bis heute
Andauernde Maßnahme: Ja
Erforderliche Mittel und Ressourcen:
- Personelle (hauptsächlich ehrenamtliche) Ressourcen beim Verein „Pilgerweg St. Wolfgang e.V.“, der Pfarrgemeinde Pfullingen und dem Bay. Waldverein für die Entwicklung der Konzepte und Umsetzung der Wege
- Mehrere hundert Gespräche mit Bürgermeistern, Touristikern und Verantwortlichen in Landratsämtern
- Materialkosten für Markierungsschilder und spirituelle Tafeln
- Rein ehrenamtliche Pflege und Erhaltung der Wege (bspw. beim Bay. Waldverein Regensburg ca. 1000 Arbeitsstunden pro Jahr)
- Fördermittel wurden aus verschiedenen regionalen und europäischen Fördertöpfen (u.a. LEADER, Eigenmittel der Landkreise und Gemeinden) bereitgestellt.
- Darüber hinaus konnten von den beteiligten Vereinen beträchtliche Spenden akquiriert werden.
Erzielte Ergebnisse
- Jährlich Hunderte von Nutzern der Pilgerwege, wobei die Wege oft nur etappenweise gegangen werden.
- Verschiedene Veranstaltungen und Kunst-Aktionen wie z.B. Blechschafe als Kunstwerke zur Markierung des Wolfgangswegs Viechtach/Böbrach – Regensburg
- Aufnahme des Wolfgangswegs von Viechtach/Böbrach über Neukirchen beim Heiligen Blut bis Regensburg in die App “WanderKultur”
- Mehrere geführte Pilgerwanderungen jährlich
Lern- oder Transferpotenzial
Die Entstehung neuer Wolfgangswege geht auf das beispiellose ehrenamtliche Engagement von einzelnen Pilgern und Wandervereinen zurück, welche aus intrinsischer Motivation diese Bottom-up-Initiativen ins Leben gerufen haben. Zudem gewannen sie Kooperationspartner wie die Diözese. Insbesondere da der hl. Wolfgang Gründer und Patron des Bistums Regensburg ist und seine Grablege das Wolfgangs-Hauptheiligtum der Diözese Regensburg darstellt, sind diese Initiativen sehr gewünscht, z.B. im Rahmen der jährlichen “Wolfgangswoche” des Bistums.
Die neuen Wolfgangswege haben zum Ziel, dass sich wieder mehr Bürgerinnen und Bürger neu auf das Leben und Wirken des hl. Wolfgang einlassen. Neben der Bewahrung des religiösen und kulturellen Erbes des Heiligen tragen sie durch steigende Gästezahlen indirekt zur baulichen Erhaltung der an den Pilgerwegen gelegenen Wolfgangskirchen und -kapellen bei. So können sie verstärkt als Fernwanderwege beworben werden. Die Sakralbauten werden auf diese Weise in umfassendere Tourismus- und Slow-Mobility-Netzwerke integriert, wovon die zuständigen Pfarrgemeinden konkret finanziell profitieren. Zudem steigern die neuen Pilgerwege gleichzeitig den Bekanntheitsgrad der o.g. Sakralbauten, verbinden die Menschen intensiver mit der eigenen Region und stärken somit die regionale Identität.
Externe Websites
https://www.wolfgangweg.eu/wege-pfullingen-liste.html
https://www.waldverein-regensburg.de/wanderwege/fernwandern/


