Hochkarätige Kultur im ländlichen Raum
Der Bezirk Oberpfalz hat den Kulturpreis, den Jugend-Kulturförderpreis und die Denkmalpreise bei einem Festakt in Plößberg verliehen.
Plößberg, 9. Oktober 2026 - „Wo die Kultur gut funktioniert, funktioniert auch die Gesellschaft“, zeigte sich Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei der Verleihung von Kultur-, Jugend-Kulturförder- und Denkmalpreis überzeugt. Bei einem Festakt im für die große Krippenschau bekannten Kultursaal Plößberg im Landkreis Tirschenreuth wurden die Preisträger für ihre Kreativität, ihr ehrenamtliches Engagement und ihre herausragenden Leistungen gewürdigt.
Die Oberpfalz, die früher aufgrund ihrer kargen Landschaft häufig als „Stoapfalz“ abgestempelt wurde, sei reich an kultureller Vielfalt, betonte Löffler. Hochkarätige Kultur gebe es nicht nur in den Großstädten, sondern auch im ländlichen Raum. Insgesamt vergab der Bezirk Oberpfalz in diesem Jahr wieder neun Auszeichnungen. Besonders am Herzen lag Löffler das Thema „Gemeinschaftsorte“, eine von drei Kategorien beim mit je 3500 Euro dotieren Kulturpreis. Wenn gewohnte Strukturen ins Wanken geraten, gewinnen Orte, an denen Menschen zusammenkommen, an Bedeutung. „Gemeinschaftsorte verbinden Menschen, schaffen Zugehörigkeit und bilden ein lokales Netz, das auch dann trägt, wenn andere Systeme an ihren Grenzen stoßen“, so Löffler.
Kulturpreis
Ein Musterbeispiel dafür ist das ehemalige Kooperatorenhaus in Beidl im Markt Plößberg. Nachdem das letzte Wirtshaus im Ort geschlossen hatte, entschied man sich 2022 dazu, einen Verein zu gründen und das aus dem 16. Jahrhundert stammende, leerstehende Gebäude neben der Kirche zum neuen Dorfmittelpunkt zu entwickeln. Drei Jahre lang sanierten die Freunde Kooperationenhaus Beidl e.V. das Gebäude in großer Eigenleistung – heute sorgen 17 ehrenamtliche Wirte dafür, dass der Betrieb läuft. 2025 fanden dort 200 Veranstaltungen statt.
In der Kategorie „Holzbildhauerei“ setzte sich Franz Weidinger aus Kleinalfalterbach im Landkreis Neumarktdurch. Zentrales Thema seines Schaffens ist von Anfang an der Mensch, was in zahlreichen Holzskulpturen menschlicher Körper von ganz klein bis lebensgroß seinen Ausdruck findet. Die Bildhauerei bietet ihm eine einzigartige Möglichkeit, Zustände jenseits des vordergründig Sichtbaren zu beschreiben. Wenn die Figur gelungen ist, dann ist im Außen auch das Innenleben präsent. Darin, dies zu zeigen, sei Franz Weidinger, Meister, sagte Laudatorin Ursula Wohlfeld.
Den Preis im Bereich „Singer-Songwirter“ haben „Die Zweiten“, Benno Schurig und Jakob Habermann aus Regensburg, abgeräumt. Ohne große Inszenierung und überladenes Arrangement lassen sie mit ihren Stimmen und Gitarren viel Raum für die Texte. Diese funktionieren manchmal beiläufig, manchmal ironisch, manchmal überraschend politisch. Die Jury spricht von „feinstem Schlüsselloch-Pop“. Denn laut Laudatorin und Kulturreferentin Kerstin Radler hat man beim Zuhören das Gefühl, man würde in einen Probenraum, in eine Küche, in einen ganz persönlichen Moment schauen. Man sei ganz nah dran. Und gleichzeitig bleibe immer ein kleines Geheimnis.
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Bezirkstagspräsident Franz Löffler (links) zeichnete die Freunde Kooperationenhaus Beidl e.V. für den beispielhaften "Gemeinschaftsort" aus. (Foto: Bastian Schreiner)
Jugend-Kulturförderpreis
Der Jugend-Kulturförderpreis, mit je 1500 Euro dotiert, würdigt Projekte, in denen Kinder und Jugendliche mit sich und ihrer Rolle in der Gesellschaft und in der Welt auseinandersetzen und dies aktiv durch Kunst oder gesellschaftliches Engagement mitgestalten.150 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren haben sich beim Projekt „Dulce Dolor“des Jugendzentrums Plan B in Weiden zwei Jahre künstlerisch mit schmerzhaften Erlebnissen und Gefühlen wie Wut, Trauer oder Scham beschäftigt. Entstanden sind dabei Fotografien, Kunstwerke sowie Musik- und Tanzaufführungen auf hohem Niveau. „Die Ergebnisse sind nicht immer leichte Kost – oberste Prämisse war der individuelle Ausdruck, der im Kollektiv erlebt wird“, erklärte Laudator Jürgen Preisinger, Vorsitzender des Bezirksjugendrings.
Unter dem Motto „Demokratie zum Anfassen“ befasste sich die Klasse 9M der Mittelschule Waldsassen mit eigenen Möglichkeiten im demokratischen Prozess. Dazu bereiteten die Schülerinnen und Schüler in Projektgruppen eine Demonstration vor, die nicht reell stattgefunden hat. Jedoch wurden alle Details festgelegt – von der Route über die Abstimmung mit Behörden bis hin zur Koordination von Ordnern. „Die Intensität, mit der ihr euch die verfassungsmäßig garantieren Instrumenten der Demokratie und zur Meinungsbildung angeeignet habt, ist beispielshaft“, so Preisinger.
Die Klasse 9M der Grund- und Mittelschule Bruck nahm den 80. Jahrestag der Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Flossenbürg als Anlass, sich dem Thema Erinnerungskultur zu widmen. Für das Projekt „DENKmal!“ führten die Schülerinnen und Schüler Interviews mit Zeitzeugen. Um die Erinnerungen dauerhaft zu sichern, entstand in Kooperation mit der OTH Amberg-Weiden eine Filmdokumentation. Parallel dazu wurden Entwürfe für ein Denkmal im Ort entwickelt. Der Siegerentwurf wurde anschließend von einem Kunstschmied als Denkmal gestaltet, das bei einem Gedenkakt aufgestellt wurde.
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Die Gruppe des Jugendzentrums Plan B in Weiden (Foto: Bastian Schreiner)
Denkmalpreise
Für die drei gleichwertigen, mit einem Preisgeld von 4000 Euro ausgestatteten Denkmalpreise des Bezirks Oberpfalz gingen wieder eine Reihe an Bewerbungen ein. Geehrt wurden Karin und Hans-Jürgen Arbogast für das Einzeldenkmal Paradeplatz 16 in Amberg. Stück für Stück erhielt das aus dem Jahr 1587 stammende Gebäude während der behutsamen Sanierung sein einstiges Gesicht zurück und wurde bis ins Detail sorgfältig saniert. „Von der schlichten Fassade mit dem Rätsel einer noch ungelösten Inschrift bis zur grünen Oase an der Rückseite des Hauses ist das Anwesen nun wieder zum Kleinod geworden“, lobte Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl.
Für das großartige Gemeinschaftsprojekt, der umfangreichen Sanierung des Jägershofer Kircherl im Landkreis Cham, hat der gleichnamige Trägerverein den Denkmalpreis erhalten. Das Wahrzeichen des kleinen Ortes wurde vor über 125 Jahren von der Familie Vogl erbaut. Um die grundlegende Instandsetzung stemmen zu können, übernahm der Verein, der mehr Mitglieder als Jägershof Einwohner hat, im Jahr 2019 das Gotteshaus und setzte alle Hebel in Bewegung. Nach einer „enormen Eigenleistung“ konnte die Kirche schließlich 2024 wieder eingeweiht werden, so Appl.
Über eine Auszeichnung darf sich auch die Katholische Kirchenstiftung Wernersreuth im Landkreis Tirschenreuth freuen, die den ehemaligen Pfarrhof, einen Vierseithof von 1912, saniert hat. Heute zeigt sich der Hof außen wie innen wieder als hochwertiges Ensemble, dessen fein herausgearbeitete Details von seiner früheren Vergangenheit und Nutzung zeugen. „Aus dem einstigen Leerstand ist ein Schmuckstück geworden“, sagte Appl.
Die Preisverleihung, der zahlreiche Ehrengäste beiwohnten, hat einmal mehr gezeigt, dass Kulturförderung auch eine Investition in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und die Zukunft unserer Heimat ist.
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Der Bezirkstagspräsident ehrte Karin und Hans-Jürgen Arbogast für die Sanierung des Einzeldenkmals Paradeplatz 16 in Amberg. (Foto: Bastian Schreiner)














