Gäste lernen den Bezirk kennen und setzen ein Zeichen für die Erinnerungskultur
Rund 40 Gäste sind der Einladung von Bezirksrat Bruno Lehmeier in die Bezirksverwaltung gefolgt. Auf dem Programm standen Vorträge und Einblicke, ein reger Austausch sowie ein bewusstes Gedenken der Ermordeten im Rahmen der T4-Transporte im Dritten Reich.
Regensburg, 22. Mai 2026 - Direktor Dr. Benedikt Schreiner hat kürzlich eine 40-köpfige Gruppe, bestehend aus Eisenbahn-Gewerkschaftlern aus dem Raum Regensburg sowie Interessierten aus Wenzenbach rund um zweiten Bürgermeister Andreas Kerscher, in der Bezirksverwaltung empfangen. „Ich freue mich immer sehr, hier Besuchergruppen zu sehen. Es ist uns wichtig, den Bezirk und sein Wirken bekannt zu machen“, sagte Dr. Schreiner bei der Begrüßung der Gäste, die der Einladung von Bezirksrat Bruno Lehmeier gefolgt waren.
Das Sibyllenbad, das Freilandmuseum und den Teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb in Wöllershof konnten die Interessierten von sich aus als Bezirkseinrichtungen zuordnen. Dr. Schreiner stellte aber noch viele weitere Projekte vor. Zum Beispiel setzt sich der Bezirk für eine gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Europaregion Donau-Moldau ein. „Die Projekte sind da auch ganz konkret. Zum Beispiel findet hier gemeinsam mit den Hochschulen ein wichtiger Wissens- und auch Technologieaustausch statt. Ein weiteres aktuelles Beispiel ist der Rettungsdienst in den Grenzregionen.“
So finanziert sich der Bezirk – und was mit dem Geld passiert
Der Direktor erklärte auch, wie sich der Bezirk finanziert – und wo die Gelder hinfließen. Der Haushalt setzt sich aus der sogenannten Bezirksumlage, eigenen Einnahmen und Finanzmitteln des Freistaats zusammen. Der größte Teil des Etats, der 2026 zusammen mit der medbo mehr als eine Milliarde Euro beträgt, fließt in die Bereiche Gesundheit und Soziales. Was das ganz konkret heißt, veranschaulichten die weiteren Redner des Tages.
Prof. Thomas Baghai, medizinischer Direktor, schilderte anschaulich die Arbeit in den Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo). An acht Standorten in der ganzen Oberpfalz wird sich hier in den Fachrichtungen Psychiatrie, Neurologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychologie sowie im Maßregelvollzug um Patientinnen und Patienten gekümmert. Auch Forschung und Bildung spielen eine große Rolle. In Regensburg blicke man auf 170 Jahre klinische Versorgung zurück, nehme eine gewisse Vorreiter-Rolle im Bereich psychische Gesundheit ein. Heute hat die medbo auch einen großen Stellenwert als Arbeitgeber in der Region: Rund 4000 Menschen – aus 60 Nationen – sind in den Einrichtungen beschäftigt.
Auch in der Bezirksverwaltung spielt der Bereich Gesundheit und Soziales eine große Rolle. Referatsleiterin Ann-Kathrin Magin erklärte, inwiefern der Bezirk hier Betroffenen hilft. Ein großer Bereich ist etwa die finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf. Über 90 Prozent der Haushaltsmittel werden für diesen Zweck aufgewendet. Hier bestehe eine gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen, zum Beispiel Werkstätten. Aber auch der Krisendienst – eine bayernweite Telefonnummer, die man zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann, um in persönlichen Krisen Hilfe zu erhalten – ist ein Angebot der Bayerischen Bezirke.
Geste im Gedenken der T4-Morde im Nationalsozialismus
Nach den Vorträgen und angeregten Fragerunden besichtigten die Teilnehmenden die Klosterkirche St. Vitus und das Kloster Prüll. Denn die Gebäude auf dem Bezirksareal haben einiges zu erzählen: Ihre viele Jahrhunderte alte, bewegte Geschichte lernten die Gäste bei einer Führung von Kulturpädagogin Johanna Sebald kennen.
Das frühere Kloster diente bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auch als Verwahranstalt für Menschen mit Behinderung. An das dunkelste Kapitel, das die Nationalsozialisten mit Zwangssterilisationen, Deportationen und Morden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion sowie Tötungen durch systematische Mangelernährung schrieben, erinnert heute eine Gedenkstätte vor der Kirche. Wenige Tage vor dem Besuch haben Unbekannte diese Kunstinstallation beschädigt. Auf Initiative von Bezirksrat Bruno Lehmeier, der sich seit vielen Jahren im Bereich der Erinnerungskultur engagiert, legten die Gäste deshalb weiße Rosen vor dem Gedenkstein nieder.




