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Eine spannende Reise durch die sudetendeutsche Musikgeschichte

Seit Oktober leitet Dr. Christoph Meixner das Sudetendeutsche Musikinstitut des Bezirks Oberpfalz. Bei seinem Antrittsvortrag legte er seinen Schwerpunkt auf Erinnerungskultur. 

Ein spannender Abend zum Thema Erinnerungskultur (von links): Bezirkstagspräsident Franz Löffler, der neue SMI-Leiter Dr. Christoph Meixner und Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Foto: Anna Heidenreich)

Regensburg, 28. Januar 2026 - Bei seinem Antrittsvortrag als neuer Leiter des Sudetendeutschen Musikinstituts hat Dr. Christoph Meixner die Erinnerungskultur in den Mittelpunkt gestellt. Der Blick in die NS-Zeit machte deutlich: Musik kann ein klingender Ausdruck von Mut und Hoffnung sein, aber auch als Waffe missbraucht werden.

Sein Vortragsthema „Zwischen Hoffnung und Vernichtung – Böhmische Musik im KZ Buchenwald“ fand am Freitagabend mit rund 80 Gästen im Alten Festsaal des Bezirks Oberpfalz eine große und interessierte Zuhörerschaft.

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl begrüßte zu Beginn neben Bischof Rudolf Voderholzer und Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler auch mehrere Bezirksräte sowie wichtige Vertreter der Oberpfälzer Kulturszene und der sudetendeutschen Landsmannschaft.

Löffler: Nicht wegschauen, sondern sich erinnern

In seinem Grußwort betonte Bezirkstagspräsident Löffler, wie wichtig neben einer lebendigen Erinnerungskultur auch das gute Miteinander von Deutschland und Tschechien sei, gerade in dieser bewegten Welt. „Dem Sudetendeutschen Musikinstitut gelingt es schon seit seiner Gründung im Jahr 1991, eine Brücke zwischen Bayern und Tschechien zu bauen – und zwar mit Mitteln der Musik. Dadurch ist aus der einst so schmerzlichen Geschichte um 1945 – geprägt von Flucht, Vertreibung und Abgrenzung – inzwischen ein vertrauensvolles Miteinander gewachsen.“ Das zeige: „Durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte können wir die Zukunft ein gutes Stück selbst gestalten und ins Positive wandeln. Umso wichtiger ist es, dass wir eben nicht wegschauen, nicht vergessen, sondern uns erinnern. Wir brauchen Geschichte nötiger denn je in einer Zeit, in der wir massiv gefordert werden, Dinge geopolitisch einzuordnen. Es kommen ja derzeit fast im Stundentakt Nachrichten, bei denen man diese Eigenschaft braucht“, so Löffler.

Genau diese Gedanken griff auch Dr. Meixner in seinem Vortrag auf und reicherte sie mit Details aus Zeitzeugen-Berichten und Hörbeispielen an. Musik löse immer Gefühle aus, stieg er in das Thema ein. Ob eher im Kleinen: „Verliebte hören Liebesballaden, Trauernde hören Trauermusik und erfahren durch sie Trost und Hoffnung.“ Oder auch im größeren Kontext: „Musik bewegt die Stimmungen und Reaktionen von Massen, die sich etwa im Fußballstadion gegenseitig niederbrüllen.“ Musik könne sogar zur Waffe werden – als Werkzeug der Unterdrückung oder des Widerstands, sagte Meixner.

Lagermusik verkörpert Hoffnung und Vernichtung

Damit fanden sich die Zuhörer mitten im Lagerleben des KZ Buchenwald wieder. Die Schilderungen Meixners, dass zum Beispiel Inhaftierte durch die SS-Offiziere unter Schlägen gezwungen wurden, bis zur Besinnungslosigkeit zu tanzen, bildeten einen harten Kontrast zu den Hörbeispielen, die der Redner immer wieder einstreute. Wenn die Lagerlieder von Hermann Leopoldi, Fritz Löhner-Beda oder Ondřej Volráb auch eine gewisse Sehnsucht spüren ließen, dominierten in Text und Melodien eher Kampfgeist, Lebenswille und Hoffnung.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sei diese Musik aus Buchenwald, gerade auch im Bezug der Erinnerungskultur in der DDR, instrumentalisiert worden, sagte Meixner weiter. In der DDR „erklangen die Buchenwald-Lieder als typische sozialistische Propaganda-Lieder, die aufgrund ihrer Aura und Historie als besonders authentisch und aussagekräftig galten und damit bestens geeignet waren, die Werte des Sozialismus hervorzuheben."  Es gebe daher, gerade mit Blick auf die Systembrüche, auch heute noch im Bereich der Musik viel zu erforschen. „Für die Gestaltung der künftigen gemeinsamen, deutsch-tschechischen Erinnerungskultur brauchen wir wissenschaftlich fundierte Inhalte. Das SMI möchte dazu selbstverständlich seinen Beitrag leisten“, so Meixner.