Ehemaliges Kloster Frauenzell: Hochschulen diskutieren mögliche Nachnutzungen
Die Klosteranlage prägt Frauenzell (Gemeinde Brennberg) baulich und gesellschaftlich. Und doch ist sie seit vielen Jahren zu groß für den Kreis der Nutzenden. Architekturstudierende der OTH Regensburg haben Ideen entwickelt, wie der Bau in Zukunft genutzt werden könnte – und doch seinen Geist behält.
Frauenzell/Brennberg, 5. Mai 2026 - Es steht nicht völlig leer, das Kloster Frauenzell. Kein Wunder, denn, sagt Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl: Schon seit gut 220 Jahren – also seit der Säkularisation um 1800 – stelle sich die Frage: „Was macht man mit dem Kloster?“ Antworten waren bisher zum Beispiel Privatwohnungen oder auch ein Schulbetrieb, bis heute gibt es Räumlichkeiten der Pfarrei, ein Depot der Diözese und private Bewohner, dazu Veranstaltungen und Führungen. „Es gab im Laufe der Zeit viele Nutzungen und viel Engagement. Doch fehlt bis heute ein wirklich tragfähiges Gesamtkonzept“, sagt Dr. Appl.
Angeregt durch das EU-Projekt „REliHE – Religious Heritage in Rural Areas“, an dem sich der Bezirk Oberpfalz seit April 2024 beteiligt, hat sich im letzten Sommersemester ein Seminar von Frau Prof. Anne Beer von der Fakultät Architektur der OTH mit der Konzeption einer nachhaltigen Neubelebung des ehemaligen Klosters Frauenzell befasst. Die Arbeiten der Studierenden hätten auch sie selbst überrascht, sagt Professorin und Architektin Anne Beer.
Denn anders als man es vielleicht von einer Technischen Hochschule denken würde, muten einige Konzeptideen fast schon romantisch und künstlerisch an – „das hatte ich zu Beginn nicht unbedingt erwartet“, sagt die Professorin. Seit kurzem sind die Ideen, an denen die Studierenden ein Semester lang gefeilt haben, in der ehemaligen Klosterbibliothek ausgestellt und können bis 17. Mai täglich von 10 bis 16 Uhr von allen Interessierten besichtigt werden. Kreativ sind die Vorschläge, doch keine Luftschlösser.
Von Brauerei bis Berufsbildung: Ideen sind ganz konkret
Zum einen gehen den Konzepten etliche Untersuchungen voraus. Sei es zur Verkehrsanbindung von Frauenzell, auch mit dem ÖPNV und dem Fahrrad, zum Bedarf der Einheimischen an Nahversorgung oder auch kulturellem Angebot, oder zur Frage, wie es insgesamt um die Klosteranlagen in der Oberpfalz steht.
Zum anderen haben sich die Studierenden viele Gedanken dazu gemacht, wie ein Mehrwert für die Gemeinde sowie den gesamten Vorderen Bayerischen Wald entstehen kann. Eine Idee der Studierenden sieht etwa einen Dorfladen, einen Wochenmarkt und die Nutzung des Klostergartens als Lerngarten vor – und möchte so schulische Bildung und die Landwirtschaft besser verknüpfen. Eine Brauerei oder eine solidarische Landwirtschaft im Klostergarten sind zwei weitere Ideen.
Ein anderes Konzept will die Sanierung des Klosters selbst zum Lernort machen: Als „Reallabor“ könnten selten gewordene, traditionelle Handwerkstechniken im Gebäude angewandt und gelehrt werden – gut für Handwerksbetriebe, die Bewahrung von uralten Traditionen und das denkmalgeschützte Klostergebäude.
Nicht zuletzt wäre auch eine Nutzung als Außenstandort der Universität Regensburg, der OTH oder der TU München denkbar. Den Vorschlag macht das Projekt „Refugium Mentis“ (deutsch: Zufluchtsort des Geistes), das gleichzeitig weiterhin privates Wohnen in den Gebäuden und ein Café im Klostergarten vorsieht. Die Arbeiten der Studierenden wurden darüber hinaus in einem begleitenden Katalog veröffentlicht, welcher bei der Veranstaltung präsentiert wurde.
Erfolg braucht einen langen Atem
Vorbilder für die letztgenannte Idee gibt es schon etliche in Bayern. So ist zum Beispiel die Technische Hochschule Deggendorf dabei, einen Außenstandort im Kloster Metten einzurichten.
Und die Technische Universität München betreibt bereits seit 2016 einen solchen – wohlgemerkt circa eineinhalb Autostunden entfernt – und zwar mit dem TUM Akademiezentrum Raitenhaslach (Burghausen). Dieses Leuchtturmprojekt wurde anschaulich von Präsident Emeritus Prof. Dr. Wolfgang Herrmann vorgestellt. Er berichtete über den beeindruckenden Weg der zahlreichen Renovierungen und Weiterentwicklung des Klosters Raitenhaslach zum TUM-Akademiezentrum Die TU München nutze die abgeschiedene, stille Atmosphäre in Raitenhaslach, um sich hausintern stärker über Fachgrenzen hinweg austauschen zu können. Zudem betonte er, dass es insbesondere um die Haltung der Entscheidungsträger gehe, welche sich der Verantwortung für solch kostbares Kulturgut bewusst sein sollten. Die Vertreter der Gemeinde und die zahlreichen weiteren Gäste waren von den vorgestellten Beispielen sehr angetan, die eine gute Grundlage für weitere Diskussionen und Planungen zur Zukunft des ehemaligen Klosters Frauenzell sein können.





