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Der Simultankirchenradweg

Foto: Thomas Kujat

Kurze Zusammenfassung

Der Simultankirchen-Radweg ist eine gemeinschaftliche Initiative der evangelischen und katholischen Kirche, um das wertvolle Erbe der Simultankirchen im Bewusstsein zu halten und neu erfahrbar zu machen.

Informationen über das Best-Practice-Beispiel

2013 wurde der Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz e.V. gegründet, um die 51 ehemaligen und bestehenden Simultankirchen in der mittleren und nördlichen Oberpfalz zu erhalten und das jahrhundertealte kulturelle Erbe rund um das Simultaneum zu bewahren. Simultaneum bezeichnet allgemein das gemeinsame Nutzungsrecht unterschiedlicher Konfessionen an einem kirchlichen Gebäude oder Ort. In Teilen der heutigen Oberpfalz führte es Pfalzgraf Christian August von Sulzbach 1652 auf dem Gebiet seines Herzogtums ein. Er ordnete an, dass die Kirchen in seinem Herrschaftsgebiet von den evangelischen und katholischen Pfarrgemeinden gemeinsam genutzt und verwaltet werden sollten. Seine Intention war es, für Frieden zwischen den Konfessionen zu sorgen und weitere Religionskriege abzuwenden. In ganz Deutschland gibt es heutzutage noch insgesamt 64 aktive Simultankirchen in neun Bistümern, wovon sich 19 in Bayern und neun in der Oberpfalz befinden.

Das wichtigste Projekt des Fördervereins Simultankirchen in der Oberpfalz e.V., in dem sowohl Kirchengemeinden, Kommunen sowie Privatpersonen und Firmen vertreten sind, ist der Simultankirchen-Radweg. Die Idee dazu hatte der evangelische Pfarrer i.R. Hans-Peter Pauckstadt-Künkler im Jahr 2010, damals Gemeindepfarrer in Rothenstadt und Etzenricht, wo zwei ehemalige Simultankirchen stehen, im Rahmen seiner Zusatzausbildung als Fundraiser. Mit der finanziellen Situation der kleinen ländlichen Gemeinden bestens vertraut, war er für sie auf der Suche nach langfristigen Finanzierungsquellen.

Nach einer ersten Phase intensiver Netzwerkarbeit wurde eine Planungsgruppe gebildet mit Vertretern aus den 3 LEADER-Regionen LAG Regionalentwicklung Amberg-Sulzbach e.V., LAG InitiAKTIVkreis Tirschenreuth e.V. und Forum Neustadt Plus, aus Kirchengemeinden und Kommunen in enger Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Fundraising der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB) in Ansbach. Bezirkstagspräsident Franz Löffler übernahm die Schirmherrschaft. Die katholische Seite (Bistümer Regensburg und Eichstätt) hat sich 2012 zum Mitmachen entschieden. Beide Bistümer sind vertreten: Eichstätt durch Domkapitular Norbert Winner (Neumarkt) sowie Regensburg durch Pastoralreferent Dr. Markus Lommer (Sulzbach-Rosenberg). Nachdem man sich auf eine Organisationsform geeinigt hatte, wurde am 27.01.2013 im Evang.-Luth. Dekanatsgebäude Sulzbach-Rosenberg der Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz gegründet. EU-Fundraiser Peter Kratzer vom Kompetenzzentrum Fundraising der ELKB gelang es, die nötigen LEADER-Fördermittel für das Projekt zu akquirieren. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung vergingen ca. fünf Jahre. Die Eröffnung des Simultankirchen-Radweges fand schließlich am 8. Mai 2015 in Sulzbach-Rosenberg statt.

Der Radweg verläuft auf ca. 400 km durch die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth und die Stadt Weiden. Er verbindet 51 ehemalige und noch „aktive“ Simultankirchen und historische Orte. Neben den Gotteshäusern als „spirituelle Raststätten" führt er auch zu Landgasthöfen und weiteren Sehenswürdigkeiten in der Region. Der Simultankirchen-Radweg teilt sich in zehn Touren von 23 bis maximal 57 Kilometern Länge auf, welche mehrere Kirchen als Zwischenstopps beinhalten. Die meisten Routen sind dabei an das Bahnnetz angeschlossen und können daher auch aus Regensburg und der Metropolregion Nürnberg umweltfreundlich erreicht werden.

Seit 2015 entwickelte der Förderverein das Konzept beständig weiter und verbesserte die Infrastruktur der zehn Radrouten. Nachdem die Routen zunächst nur auf einer Website auffindbar waren, wurde in enger Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden eine Beschilderung mit offiziellen Radwegweisern realisiert. Für jede Route gibt es nun ehrenamtliche Paten, die die Strecken regelmäßig abfahren und die Beschilderung kontrollieren. Fahrradkarten wurden gedruckt und Infotafeln an den Kirchen aufgestellt. Zudem erhielt jede Route auch eine Raststation sowie Fahrradständer. Wichtig war darüber hinaus die Erneuerung der Website. Mit dem nun installierten Tourenmodul wurde die Navigation für Radelnde deutlich komfortabler. Ein wichtiger Schritt war zudem die Profilierung der Routen: Jede Tour hat nun ein eigenes Thema, das neben den Kirchen den Kultur- und Naturraum, durch den die Strecke verläuft, besonders würdigt.

Zudem findet jährlich ein facettenreiches Begleitprogramm statt. Jedes Jahr werden bspw. mehrere geführte Radtouren, Kirchenführungen, Konzerte, besondere thematische Gottesdienste und Orgelführungen organisiert.  In den letzten Jahren gab es darüber hinaus einen Fotowettbewerb zu den Simultankirchen, das ökumenische Symposium „Simultaneen im deutschen Sprachraum“ oder die Konzertreihe „SimulTONeum 2025“. Jedes Jahr wird auch ein oder zwei Kirchen der Ehrentitel „Simultankirche des Jahres“ verliehen, der große Öffentlichkeitswirksamkeit erzielt und dadurch Spenden generiert.

Zeitrahmen:           2010 - bis heute

Andauernde Maßnahme:                Ja

Erforderliche Mittel und Ressourcen:                       

  • Personelle (ehrenamtliche) Ressourcen beim Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz e.V. für die Entwicklung des Konzepts und Umsetzung des Simultankirchenradwegs (Dauer ca. 5 Jahre)
  • Fördermittel (ca. 220.000 Euro) wurden aus verschiedenen regionalen, nationalen und europäischen Förderprogrammen bereitgestellt.
  • drei aufeinanderfolgende LEADER-Förderprojekte (EU und Freistaat Bayern im  Rahmen der ELER-Förderkulissen) von 2015–2023
  • Zudem gab es weitere Förderer (Bezirk Oberpfalz, Bistümer Eichstätt und Regensburg, Evang.-Luth. Dekanate, Landratsämter) sowie die „Aktion 1+1 mit Arbeitslosen teilen“ der ELKB.
  • Darüber hinaus haben zu verschiedenen Anlässen Firmen und lokale Banken das Projekt mit Geld- bzw. Sachspenden unterstützt.

 

Erzielte Ergebnisse

  • Der Förderverein hat rund 100 Mitglieder, viele davon sind ehrenamtlich Engagierte aus den Kirchengemeinden/ Pfarreien. Dazu gehören die Routen-Koordinatoren und Routenpaten, Ansprechpersonen und Kümmerer für die 51 Kirchen an der Strecke, Kirchenführerinnen und Kirchenführer u.a.
  • Jährlich mehrere Hundert Nutzer des Radwegs
  • seit 2015 mehrere Hundert Aktionen und Veranstaltungen
  • seit 2015 ca. mehrere Tausend Teilnehmer an den Aktionen und Veranstaltungen

 

Lern- oder Transferpotenzial

Der Simultankirchen-Radweg ist eine weltweit einmalige Initiative, welche die außergewöhnliche Geschichte der Simultankirchen, die jahrhundertelang und teils bis heute von evangelischen und katholischen Gemeinden gemeinsam genutzt und verwaltet werden, der breiten Öffentlichkeit wieder in das Bewusstsein gerückt hat. Der Radweg macht die spannende Geschichte dieser Gotteshäuser auf innovative Art und Weise er-“fahrbar” und trägt durch steigende Gästezahlen somit indirekt bei, diese kirchlichen Gebäude baulich zu erhalten. Der Förderverein gewinnt im Rahmen diverser Aktionen und Events Freunde und Förderer zum Erhalt der Kirchen. Bei diesen Veranstaltungen werden in der Regel Spenden zugunsten der Simultankirchen gesammelt.

Der Förderverein fungiert dabei als Initiator und Träger des Simultankirchen-Radweges und wird überwiegend durch ehrenamtlich engagierte Mitglieder der Kirchengemeinden getragen. Hinzu kommen zahlreiche Kooperationspartner. Es ist eine Besonderheit dieses Projekts, dass hier Kirchen und Kommunen sehr eng zusammenarbeiten. Ca. 40 beteiligte Kommunen, die Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt a.d. Waldnaab und Tirschenreuth sowie die Stadt Weiden; der Bezirk Oberpfalz; die Bistümer Eichstätt und Regensburg; das Evang.-Luth. Dekanat Cham/Sulzbach-Rosenberg/Weiden sowie die ELKB. Insbesondere ist die sehr gelungene Zusammenarbeit mit den Touristikern der Gemeinden und Landkreise hervorzuheben. Dadurch gelang es bspw., das o.g. Tourenmodul für die eigene Website bei der Firma “Green-Solutions” aus Murnau entwickeln zu lassen, welches den Simultankirchen-Radweg mit den Sehenswürdigkeiten der Umgebung verknüpft. Zudem erarbeitete die Agentur “Cultheca” in Zusammenarbeit mit dem Förderverein und den Touristikern ein eigenes thematisches Profil zu jeder der zehn Routen, ergänzt durch eine Handreichung für Kirchenführungen.

Insgesamt betrachtet ist es seit 2015 gelungen, diese wertvollen Sakralbauten den Einwohnern vor Ort wieder nahe zu bringen und mit der sie umgebenden Kulturlandschaft intensiver zu vernetzen.

Externe Websites

https://simultankirchenradweg.de/