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Mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung

NÜRNBERG.  „Zukunft Inklusion“ – diesem Schwerpunktthema widmete sich die diesjährige Consozial, Deutschlands größte Fachmesse der Sozialwirtschaft in Nürnberg. Als Veranstalter des 11. Fachforums der Bayerischen Bezirke stellte der Bezirk Oberpfalz die Arbeitsplatzchancen für Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt. Rund fünfzig Prozent der Neuzugänge in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung sind Menschen, die den Bedingungen des sogenannten ersten Arbeitsmarktes nicht mehr standhalten können. „Was können wir für diese Menschen tun? Wie schaffen wir es, für Menschen mit Behinderung den Automatismus ´nach der Förderschule ein Leben lang arbeiten in der Behindertenwerkstatt´, zu durchbrechen?“ fragte Bezirkstagspräsident Franz Löffler die rund siebzig interessierten Besucher des Fachforums.

Eine klare Antwort darauf gibt das durchgehend barrierefreie Vier-Sterne-Wellness- und Tagungshotel ARIBO in der nordoberpfälzischen Stadt Erbendorf. Dort arbeiten an der Rezeption und in der Hotelgastronomie sieben Mitarbeiter mit Behinderung. „Drei wichtige Komponenten machen diese Erfolgsgeschichte möglich“, führte Löffler aus. Bürgermeister Johannes Reger schilderte, wie die Stadt Erbendorf die Umwandlung einer Industriebrache in ein Hotel aktiv vorangetrieben hat. Als Ideengeber für ein Wellness- und Tagungshotel kam mit dem

Sozialteam Lappersdorf ein kompetenter Partner im Bereich soziale Dienstleistungen mit an Bord. In einer eigens gegründeten Gesellschaft für Freizeit und Hoteleinrichtungen wurde dann das professionell arbeitende Hotelteam akquiriert. Diese Partner schaffen gemeinsam Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung.

 „Wir wollen ein Zeichen setzen: Inklusion geht auch in einem privatwirtschaftlich geführten Betrieb“, machte Hotel-Geschäftsführer und Sozialteam-Leiter Martin Weiss deutlich. Den vom Zentrum Bayern Familie und Soziales anerkannten Integrationsbetrieb fördert der Bezirk Oberpfalz mit rund 15.000 Euro im Jahr für fünf Arbeitskräfte mit Behinderung. „Das macht Sinn, sowohl für die Menschen als auch für den Bezirk Oberpfalz“, stellte Präsident Löffler fest. Den Gewinn an Selbstbewusstsein und Lebensqualität machte Tamara Wöhrl deutlich, Mitarbeiterin mit Behinderung im Servicebereich des Hauses. Der Bezirk müsste zudem deutlich höhere Kosten schultern, wenn die Menschen mit Handicap in einer Behindertenwerkstatt statt in dem Hotel arbeiten würden. „Für uns ist das ARIBO-Hotel ein echtes Leuchtturmprojekt“, bekräftigte Günther Lange, Leiter der Regionalstelle Oberpfalz des Zentrum Bayern Familie und Soziales. Zehn Betriebe in der Oberpfalz werden von der Regionalstelle als Integrationsfirmen gefördert. Die meisten davon sind Produktionsbetriebe, in denen die Menschen mit Handicap hinter den Maschinen arbeiten. „Im ARIBO-Hotel kommen Hotelgäste und Servicekräfte mit und ohne Behinderung direkt in Kontakt, das ist echte Inklusion“, freute sich Lange. Bezirkstagspräsident Franz Löffler sieht das Projekt als zukunftsweisend: „Der Bezirk finanziert zwar eine freiwillige Leistung, aber wenn das von den Bedingungen her stimmig ist, dürfen wir uns nicht scheuen, diesen Weg zu gehen.“ Für Löffler setzt das ARIBO-Hotel auch Maßstäbe für barrierefreien Tourismus. Rund zehn Prozent der Menschen in Deutschland sind behindert. „Barrierefreie Hotels und Zimmer gibt es längst nicht überall“, merkte Löffler an, der als Präsident des Tourismusverbands Ostbayern Qualität im Angebot und in der Dienstleistung als Grundvoraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften bezeichnete.

Auch in diesem Bereich ist das durchgehend barrierefreie ARIBO-Hotel, in dem sogar die Sauna für Rollstuhlfahrer nutzbar ist, sehr gut aufgestellt.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (3.v.li.) inmitten seiner Amtskollegen am Infostand des Bayerischen Bezirketags (v. li. n. re.): Josef Mederer, Präsident des Bayerischen Bezirketags, Erwin Dotzel (Bezirk Unterfranken) und Richard Bartsch (Bezirk Mittelfranken)