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„Gratwanderung“ zwischen zwei Welten

BERATZHAUSEN/REGENSBURG. Mit dem außergewöhnlichen Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“ wollen Bezirk Oberpfalz, die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) und der Verein „Irren ist menschlich“ auf die Ausgrenzung psychisch kranker Menschen aufmerksam machen. Gestern eröffnete Bezirkstagspräsident Franz Löffler, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, gemeinsam mit KJF-Direktor Michael Eibl und Harald Kelsch vom Verein „Irren ist menschlich“ die Wanderausstellung an ihrer zweiten Station: im Zehentstadel im Beratzhausen (Kreis Regensburg). Sie ist dort bis 28. Februar zu sehen.

Das Projekt sei ein „perfekter Beitrag zur Inklusion“, hob Bezirkstagspräsident Löffler hervor, der auch von einer gelungenen Verbindung zweier Aufgabenbereiche des Bezirks Oberpfalz sprach: der psychiatrischen Versorgung der Menschen und der Kulturarbeit.

„Die Herausforderungen, die psychisch kranke Menschen mit sich tragen, interessieren viele nicht“, so Löffler. Umso bedeutender sei es, dass sich der Verein „Irren ist menschlich“ getraut habe, das künstlerische Schaffen von Menschen mit seelischen Krisen in die Öffentlichkeit zu tragen.

KJF-Direktor Michael Eibl stellte die Frage, ob Kunst ohne Grenzgänge überhaupt möglich sei: „Menschliche Krise und kulturelles Schaffen stehen oft in einem Zusammenhang. Viele Menschen mit Krisenerfahrung sind durch ihre erhöhte Sensibilität der Fülle der täglichen Erlebnisse intensiv ausgesetzt.“ Diese Eindrücke bräuchten Ausdruck, manchmal ermöglichen sie erst das schöpferische Werk, was zu einer Gratwanderung zwischen den Welten führe und auch zur Frage, was „normal“ sei und was „verrückt“.

Dem Verein „Irren ist menschlisch“, zu dessen 20jährigem Bestehen die Ausstellung umgesetzt wurde, geht es auch um den gesellschaftlichen Umgang mit seelischen Krisen, wie Vorstandsmitglied Harald Kelsch erläuterte. Er stellte die Frage, ob die Kunst von Menschen mit Krisenerfahrung „eine andere“ sei. Die Ausstellung fordert den Betrachter auf, die Fragen für sich zu beantworten.

Konzipiert wurde die Ausstellung als künstlerischer Wettbewerb für Menschen, die Erfahrung mit einer seelischen Krise gemacht haben. Ausgewählt wurden 33 Werke – vor allem Bilder und Skulpturen – von 29 Künstlerinnen und Künstlern, die zum Teil unter einem Pseudonym tätig sind.

Den ersten Preis sicherte sich Tone Schmid (Weiden) für sein Werk „Deepression“, drei zweite Preise gingen an „Hope“ (Pseudonym), „Harriett Burden“ (Pseudonym) und Johannes Frank (Regensburg). Den Sonderpreis „Literatur“ erhielt Monika Schüßler (Regensburg) für ihr Gedicht „Zerreißprobe“, das am Donnerstagabend verlesen wurde.

Die Ausstellung geht weiter auf Wanderschaft durch die ganze Oberpfalz. Als nächstes ist sie am Zentrum für Psychiatrie in Cham zu sehen, später folgen das Landratsamt Neumarkt und die Regionalbibliothek Weiden. Die Werke im Beratzhausener Zehentstadel können immer montags und donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie freitags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden. Sie sind auch jederzeit online auf http://www.galerie-st-klara.de/ zu sehen.

 

 Das Bild zeigt das Werk „Deepression“ von Tone Schmid (1. Preis) mit Besuchern (Herr Schmid ist nicht auf dem Bild).