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Tracht im Blick - die Oberpfalz packt aus (Museumsprojekt 2016)

REGENSBURG. Dirndl und Lederhose – selber genäht in der Tradition der Region oder selber gekauft im Einheitslook aus dem Supermarkt – eine Festkleidung oder eine Verkleidung? Tracht zu tragen ist im Trend, aber woher kommt diese Modewelle, die seit einigen Jahren anhält und bei jedem Volksfest zu sehen ist? Die Hersteller von Dirndl und Lederhosen verbuchen Umsatzzuwächse, aber haben auch die Trachtenvereine, die Kulturpflege und Geselligkeit bieten, mehr Zulauf?

„Zur Tracht gehört für viele Menschen auch das selbstbewusste Bekenntnis zur regionalen Zugehörigkeit als Bayer und Oberpfälzer“ sagt Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Ein Zusammenhang, der durch eine nicht repräsentative Umfrage auf der Regensburger Frühjahrsdult in diesem Jahr bestätigt wird. Dieses Sichtbarmachen der eigenen Identität hat Geschichte. Denn die Trachtenbewegung ging im 19. Jahrhundert nicht von den Bauern auf dem Land, sondern vom aufstrebenden Bürgertum in den Städten aus. Zum Vorbild der Trachtenvereine in Nord- und Ostbayern wurden oftmals die Gebirgstrachten aus Oberbayern, so gründeten 1898 etwa 40 bergbegeisterte Regensburger den Gebirgstrachtenverein "D' Schuhplattler“. Die regionale Kultur- und Heimatpflege gewann beim ältesten Trachtenverein in der Oberpfalz wie bei vielen anderen erst allmählich an Bedeutung. 1967 schließlich erfolgte die Umbenennung in den „Heimat- und Volkstrachtenverein Regensburg Stamm". Für das 1806 gegründete, noch junge Königreich Bayern, das sich aus vielen Regionen zusammensetzte, stiftete die in allen Landesteilen entstehende Trachtenbewegung ein bayerisches „Mia san mia“-Gefühl und sorgte so für regionenübergreifende gesellschaftliche Stabilität.

„Diese Geschichte und Gegenwart der Tracht bekommt 2016 die verdiente Aufmerksamkeit“, betont Präsident Löffler. Einen weit reichenden Blick auf die Tracht werfen im kommenden Jahr neun Museen in der Oberpfalz. Erstmals seit langer Zeit öffnet das Historische Museum der Stadt Regensburg wieder sein Textildepot, das Oberpfälzer Freilandmuseum geht der Frage nach, warum das Dirndl heute wieder modern ist und das Stadtmuseum Schwandorf widmet sich den Kleidungsstücken, die auch unter der Tracht getragen wurden (Auflistung der Museen und Themen siehe Textkasten). Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl lobt das Vorbereitungsteam aus den neun Museen, die mit „Kraft, Kompetenz und Kreativität“ diesen Ausstellungsreigen für das ganze Jahr 2016 quer durch die Oberpfalz auf die Beine stellen.