Regensburg., 09.04.2010. Ein Schlaganfall ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Ca. 1,9 Millionen Gehirnzellen sterben nach Eintreten eines Schlaganfalls pro Minute ab. Ein weltweit einzigartiges Studienprojekt am Bezirksklinikum Regensburg zeigt jetzt, dass Diagnostik und später auch Therapie bereits im Notarztwagen möglich sind und somit wertvolle Zeit gewonnen werden kann. Hierfür bekommt die Universitätsklinik für Neurologie am Bezirksklinikum Regensburg von BMW ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Das ist das Startzeichen für die zweite Phase der Studie, in der auf Schlaganfall spezialisierte Ärzte bereits am Ort des Geschehens die Patienten mit einem Ultraschallgerät untersuchen.
Taubheitsgefühle, halbseitige Lähmungserscheinungen, plötzliche Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören sind Anzeichen für einen Schlaganfall. In Deutschland trifft diese Erkrankung jährlich ca. 200.000 Menschen. Jeder Dritte stirbt an den Folgen innerhalb eines Jahres, viele leben mit Spätfolgen. Kostbare und vielleicht lebensrettende Zeit geht bereits beim Transport und bei den Untersuchungen in der Klinik verloren. Je früher eine effektive Therapie beginnt, desto besser stehen die Chancen für den Patienten.
Zusätzliches Schlaganfall-Einsatzfahrzeug
Die Universitätsklinik für Neurologie am Bezirksklinikum Regensburg startet jetzt eine weltweit einzigartige Studie, die zum Ziel hat, den Zeitraum bis zum entscheidenden Behandlungs-beginn zu verkürzen. Hierzu steht den Experten der Stroke Unit (Schlaganfallspezialstation) seit diesem Monat ein eigenes Schlaganfall-Einsatzfahrzeug zur Verfügung.
Ermöglicht wird dies durch die freundliche Unterstützung des BMW Autohauses Hofmann, das in enger Kooperation mit dem BMW Werk Regensburg das Fahrzeug kostenfrei zur Verfügung stellt. Dr. Andreas Wendt, Werkleiter des BMW Werks Regensburg unterstreicht: „Dieses Pilotprojekt reiht sich in die Untersützung der medizinischen Versorgung in Ostbayern ein, für die wir in den vergangenen Jahren knapp eine halbe Million Euro aufgewendet haben.“ Detlef Hertwig, Mitglied der Geschäftsleitung des BMW Autohauses Hofmann, betont: „Durch die Leihgabe des 1er BMWs freuen wir uns, dazu beitragen zu können, die Therapie des Schlaganfalls voranzutreiben und so den Betroffenen schnell und effektiv zu helfen.“ Weitere maßgebliche Förderer des Projektes sind das Malteser Hilfswerk, die integrierte Rettungsleitstelle Regensburg, die HDM Luftrettung gGmbH und die amerikanische MedEvac Foundation. Maßgeblich beteiligt ist auch die Universitätsklinik für Anästhesiologie.
Diagnostik und Behandlungsbeginn noch vor Ort
Sobald ein Notruf mit Verdacht auf Schlaganfall bei der Rettungsleitstelle eingeht, werden neben dem Notarzt auch die Schlaganfallexperten am Bezirksklinikum informiert. Das Schlaganfallmobil bringt, zusätzlich zum regulären Notarztwagen, einen auf Schlaganfallbehandlung spezialisierten Neurologen und ein mobiles Ultraschallgerät zum Patienten. Dies ermöglicht die schnellstmögliche Diagnostik eines potenziellen Gefäßverschlusses bereits am Notfallort. Die Untersuchungsinformationen werden noch während des Transportes sofort an das zuständige Schlaganfallzentrum weitergeleitet.
Dr. Felix Schlachetzki und Dr. Sandra Boy von der Universitätsklinik für Neurologie am Bezirksklinikum sind, gemeinsam mit Prof. Dr. Thilo Hölscher (University of California, San Diego), die geistigen Urheber des Projektes. Sie betonen in diesem Zusammenhang: „Auf diese Weise kann erstmals ohne zeitliche Verzögerung mit der Schlaganfallbehandlung begonnen werden. Wertvolle Zeit bis zum Beginn der Behandlung wird eingespart.“ Prof. Dr. Ulrich Bogdahn, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, bewertet das Projekt als große Chance für die Schlaganfall-Therapie und -Forschung: „Damit machen wir in der Schlaganfallbehandlung einen Riesenschritt nach vorn.“
Studienverlauf
In Regensburg startet die zweite Phase des Projektes. Dessen Pilotstudie gab bereits Anlass zu berechtigten Hoffnungen. Sie zeigte, dass Blutgefäße, die das Hirn versorgen, bereits innerhalb der ersten 5 bis 10 Minuten nach Eintreffen am Notfallort mittels Ultraschall dargestellt werden können. In der jetzt beginnenden zweiten Phase werden die Un-tersuchungsqualität und Sicherheit der Darstellung der Hirngefäße durch ein Ultraschall-kontrastmittel erhöht. Dr. Sandra Boy: „In der darauffolgenden dritten Phase könnte sogar die Therapie des Schlaganfalls mittels Ultraschallwellen, die den Gefäßverschluss auflösen können (sog. Sonothrombolyse), bereits vor Ort erfolgen.“