Starke Projekte beseitigen Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Handicap

NEUSATH-PERSCHEN. Wie hat die Gesellschaft  vor 30, 40 Jahren einen Menschen mit Behinderung wahr genommen? Als gleichberechtigten Mitmenschen, als Herausforderung oder gar als Last? Mit einem Rückblick eröffnete Bezirkstagspräsident Franz Löffler den diesjährigen Festakt zur Verleihung des Inklusionspreises 2017 im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen.

„Heute können wir feststellen, dass sich das Bild der Gesellschaft auf Menschen mit Behinderung im Wandel befindet“, sagte Löffler. Ein Impuls dafür sei die von Deutschland im Jahr 2009 ratifizierte Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, aber auch zahlreiche Initiativen, die versuchen, die Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderung Schritt für Schritt abzubauen.

So fördert der Freistaat Bayern mit zahlreichen Maßnahmen die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, der Bezirk steht Menschen mit Behinderung von der Frühförderung über die Arbeitswelt bis zum betreuten Wohnen im Alter zur Seite. „Unbestritten, auf dem Weg zur vollständigen Teilhabe ist aber noch viel Luft nach oben“, räumte Löffler ein.

Das Projekt „Kellergangband & Rock Sixties“„Entscheidend ist aber auch, was verändert sich in den Köpfen der Menschen?“, betonte der Präsident  Der seit 2013 vergebene Inklusionspreis des Bezirks Oberpfalz zeichnet Projekte aus, die auch einen Bewusstseinswandel anstoßen wollen: Inklusion ist, wenn im Handeln der Menschen mit und ohne Handicap Behinderung keine Rolle spielt.

Dieser Grundsatz ist auch wichtigstes Auswahlkriterium für die Jury zum Inklusionspreis des Bezirks Oberpfalz, die mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände und Mitgliedern des Bezirkstags der Oberpfalz besetzt ist. „Der Inklusionspreis wird in der Oberpfalz wahr genommen“, konstatierte Löffler angesichts der Vielzahl an Bewerbungen, die über denen der Vorjahre lag.

Mit je 3000 Euro Preisgeld wurden drei herausragende Projekte ausgezeichnet: Das genossenschaftlich organisierte Inklusionsprojekt „Haus mit Zukunft“ in Regensburg, die „Kellergangband“ der JURA-Werkstätten Neumarkt gGmbH und das „Sport und Spielefest für Menschen mit und ohne Behinderung“ des SC Weiding e.V. aus dem Landkreis Schwandorf.

Sechs körperbehinderte Bewohner waren schon an der Planung für ein 35 Wohnungen umfassendes Bauprojekt der NaBau-Genossenschaft im Regensburger Stadtosten beteiligt. In dem Regensburger Stadtteil Burgweinting wohnen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, die Häusergemeinschaft verwirklicht nicht nur vorbildlich echte Inklusion im Alltag, sondern auch das Zusammenleben über drei Generationen. Zentraler Lebensmittelpunkt der Bewohner ist der gemeinsam angelegte und gepflegte Garten, wie Markus Kostka, Sprecher der Initiative, mit Film und Bildern deutlich machte.

Angefangen hat alles vor 20 Jahren in einem Keller für die „Kellergangband“ der JURA-Werkstätten Neumarkt. Bei einer Vielzahl von Konzerten bei  den Werkstattfeiern der Lebenshilfe und im Neumarkter Raum spielen die rund 20 Musiker ein Repertoire von Schlagern bis zu Polkas. Gemeinsam mit der Neumarkter Band „Rock Sixties“ sind die Musiker mit und ohne Handicap zur gefeierten Partyband in der Region avanciert, die durch „Spontanität und Lebensfreude das Publikum mitreißt“, wie Bezirkstagspräsident Franz Löffler lobte.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (5.v.li.) und die Vereinsmitglieder des SC Weiding im Landkreis Schwandorf.Brot und Spiele gibt es auf dem Sportfest des SC Weiding e.V. im Schönseer Land, wie Engelbert Horn, 2. Vorsitzender des Vereins, den Besuchern der Preisverleihung deutlich machte. Aus der Idee einer Heimbetreuerin der Dr.-Loew’schen Einrichtungen hat sich seit 2005 ein grenzüberschreitendes Sportfest mit über 300 Teilnehmern entwickelt, davon rund 60 aus Tschechien. Beim Fußballturnier mit 20 Mannschaften bis zum Spieleparcours mit sechs Stationen gibt es viele Punkte zu gewinnen, Gasttänzer mit und ohne Handicap sorgen für beste Unterhaltung. Das Weidinger Sportfest hat auch das soziale Leben beflügelt: Mitarbeiter der Dr. Loew’schen Einrichtungen in Weiding tauschen sich mit den Beschäftigten des Hauses der Diakonie in Pilsen aus. „Wenn man sieht, wie diese kleine Gemeinde Großartiges leistet, geht einem das Herz auf“ freute sich Bezirkstagspräsident Franz Löffler.

„Wir haben heute wieder einmal Preisträger ausgezeichnet, die mit ihrer Arbeit unserer Gesellschaft ein menschliches Gesicht geben“, brachte der Präsident das Engagement der Ausgezeichneten auf den Punkt.


URL:
http://www.bezirk-oberpfalz.de/desktopdefault.aspx/tabid-12/76_read-2955/