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Ciao, Brixen! – Servus, Regensburg!

„Ich habe mehr erlebt, als ich erwartet hatte“, resümiert Matthias Klammer. Der Gymnasiast aus Brixen hat gerade ein zweiwöchiges Praktikum an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Bezirksklinikums Regensburg absolviert.

Es gibt viele Möglichkeiten für junge Menschen, Einblick in die Arbeit und den Alltag der medbo Einrichtungen zu erhalten. Studenten können beispielsweise mehrmonatige Praktika absolvieren, Schüler der Region schnuppern beim Girls- und Boysday, Auszubildende medizinisch-pflegerischer Berufe können den stationären Alltag „live“ erleben.

Dass der Südtiroler Oberstufen-Schüler Matthias Klammer jetzt ein zweiwöchiges Praktikum an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJP) am Regensburger Bezirksklinikum erlebt hat, ist allerdings eine neue Variante – und die ergab sich rein zufällig.

„Ich bin Matthias durch Zufall begegnet und war auf Anhieb von ihm begeistert“, erzählt KJP-Chefarzt Dr. Christian Rexroth, auf dessen Einladung Matthias Klammer nach Regensburg kam. Im Rahmen der jährlichen Tagungswoche der Ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen e. V., München, im Juli in Brixen kamen die beiden ins Gespräch. Matthias wird in eineinhalb Jahren sein Abitur machen und denkt jetzt schon über Studium und Beruf nach: „Ein berufsorientiertes Praktikum für Schüler gibt es in Südtirol aber nicht“, erzählt er. „Ich bin im sozialwissenschaftlichen Zweig eines Gymnasiums in Brixen und denke intensiv über ein Medizinstudium nach.“

 

Nachwuchsförderung

Für Dr. Rexroth war klar, dass er mit dem Praktikumsangebot an den jungen Italiener, der fließend Deutsch spricht, auch ein wenig die Werbetrommel für das Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie rühren wollte: „In der Versorgung von psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen brauchen wir mehr junge Ärzte - auch andernorts in Europa. Wir müssen jede Möglichkeit nutzen, junge Menschen für das Fach KJP zu begeistern. Das Praktikumsprogramm war deshalb anspruchsvoll, und Matthias hat Vollzeit in unserer Tagesklinik für Kindergartenkinder (Tigerlilly) mitgearbeitet.“

„Dr. Christian Lindner, der Stationsarzt der Tigerlilly, hat mir viele Einblicke gegeben. Und das Team stand mir stets zur Seite, wenn es mit dem einen oder anderen Kind auch mal schwierig wurde.“ Matthias Klammer hat nicht nur bei der Betreuung der kleinen Patienten geholfen. Er war auch bei Elterngesprächen dabei, bekam Informationen zu den psychiatrischen Störungsbildern und Therapieansätzen. Auch Fortbildung war in den zwei Wochen angesagt: Der Praktikant nahm als vollwertiges Team-Mitglied an klinikinternen Informationsveranstaltungen wie zum Beispiel „Kinder psychisch kranker Eltern“ teil und konnte auch Einblicke in fachtherapeutische Bereiche gewinnen, wie etwa  in der Ergotherapie.

 

„Lehrreich und voll mit neuen Erfahrungen“

Der spannendste Tag war natürlich der erste Arbeitstag und die Begegnung mit den kleinen Kindern, so Matthias Klammer. Besonders im Gedächtnis wird ihm aber eine Entlasssituation bleiben, die er miterleben und mitgestalten durfte: „Der letzte Tigerlilly-Tag eines Kindes wurde richtig gefeiert – wie ein Kindergeburtstag. Es gab sogar Geschenke!“ Das habe er nicht erwartet, so Klammer. Aber es habe ihn sehr berührt, dass auch das Behandlungsende und damit „Trennung“ ein therapeutisches Thema in der KJP sind.

 

Highlight: Historische Wurstkuchl

Die zwei Wochen bestanden für den Gymnasiasten aber nicht nur aus Arbeit. „Es stimmt: Regensburg ist die nördlichste Stadt Italiens und hat viel mit Florenz und Brixen gemeinsam. Aber Florenz hat keine Wurstkuchl, und in Südtirol kennen wir keine Kirchweih!“

Dr. Rexroth hat seinen Pionier-Praktikanten in der Freizeit persönlich unter seine Fittiche genommen und ihm Stadt und Region Regensburg gezeigt: „Das hat auch mir und meiner Familie viel Freude gemacht. Aber ganz grundsätzlich: Regensburg und Brixen sind Partnerstädte. Ganz im Sinne dieser Städtepartnerschaft wäre es wünschenswert, wenn die beiden Städte auch im Bereich solcher Schüler-Praktika Partner und Initiativen wie die unsrige unterstützen würden – zum Beispiel in Fragen der Unterkunft oder der Reisekosten.“ Die Regensburger KJP ist auf jeden Fall dabei.